CETONA  GHESTERN UND HEUTE   - Als Pilger im 13 Jahrhundert auf der Via Francigena, der Strasse, die Arezzo mit Bolsena verbindet, entlag der Sümpfe der Chiana wander­ten und in Chiusi ankamen, erblickten sie, den Blick nach Westen gerichtet, einen Berg, der mit seinem sanften Profil einer weiblichen Brust àhnelte. An den Hängen des Berges befand sich ein Schloss, das auf eine nicht unbedeutende menschliche Siedlung hinwies. Es war das Schloss von Scitonia, das bereits zu Zeiten Karl des Grossen existierte. Die Häuser des gleichnamigen Dorfes (Scitonia) wirkten wie aufgereiht auf der zweiten Stadtmauer, die ihnen zum Schutz diente. Aus Mangel an überlieferten Dokumenten lässt sich nur intui­tiv vermuten, wie das damalige Leben der Einwohner war. .Als Opfer der ständig wechselnden internationalen politischen Erei­gnisse muss das Leben der Einwohner eine Hölle gewesen sein, zumal das Schloss an der Grenze zwischen der Republik Siena und dem Kirchenstaat gelegen, ständig Überfällen, Plünderungen und Brandstiftung ausgesetzt war. Auch in den wenigen friedlichen Jahren war das Leben der Einwoh­ner nicht einfach; magere Ernten auf den armen Feldern, die ehema­lige Waldgebiete waren, Steuern, Abgaben, Krankheiten und Seuchen; das Essen bestand aus Ruben zum Mittag und zum Aben­dessen, an Festtagen ein bischen mehr. Im Gegensatz dazu muss es dem Lehnherrn des Schlosses, damals Vassal von Orvieto, nicht schlecht gegangen sein, da er es sich leisten konnte, eine beträchtliche Gruppe von Soldaten zu unterhalten und an den Kämpfen zwischen den Staaten teilzunehmen. Im Jahre 1260 kämpfte eine Truppe aus Cetona gegen die Sieneser. 1300, dem Jahr des berühmtesten Sündenerlasses der Geschichte, dem des Bonifazius VIII, fuhr der Feudalherr mit dreißig Kavalleri­sten als Eskorte nach Rom, um sich von seinen zahlreichen Fehltrit­ten im Tausch gegen eine große Summe freisprechen zu lassen, Alle 40 bis 50 Jahre wechselte das Schloss seinen Besitzer, natürlich nicht ohne vorrausgehende Belagerung, Plünderungen, Überfälle und Vergewaltigungen. 1450, das Schloss war erst seit einigen Jahrzehnten Vassal von Siena, schloss sich eine zahlreiche Gruppe von ausgehungerten Einwohnern Cetonas zu einer bewaffneten Bande zusammen und Überfiel das Gebiet von Città della Pieve (damals Castel della Pieve). 1555, als Cetona schon längst der Republik Siena treu ergeben war, zwar etwas heruntergekommen als Festung von Montalcino, wurde CS zur Kapitulation gezwungen und ging in den Besitz der Medici über. Hiermit begann eine Zeit des Friedens und der Stabilität und man kann sagen, dass es zu einem gewissen Wohlstand kam. Als Grenzgebiet zum Kirchenstaat war Cetona Zufluchtsort für poli­tisch Verfolgte. Cetona war Sitz einer wichtigen Freimaurerloge, der man den Lesesaal, später "Circolo Luca Contile", den Kindergarten und die öffentliche Bücherei verdankt. In der darauffolgenden Epo­che wurde das Krankenhaus Umberto I errichtet und das "Haus der Familie" für alte Menschen und Invaliden, das auch heute noch besteht. Was die Geschichte der Stadt anbelangt, soll hiermit Genüge sein; wenden wir uns dem Heute zu. In den letzten Jahren haben viele Italiener und Ausländer Cetona schätzen gelernt; ein kleines reizendes Dorf in der Provinz Siena, am Fuß des gleichnamigen Berges gelegen. Es gibt viele Gründe dafür, dass viele bekannte Persönlichkeiten aus dem Bereich der Kultur und der Kunst Cetona zu ihrem Aufenthaltsort gewählt haben. Geografisch liegt es günstig auf halber Strecke zwischen Florenz und Rom, in der Nähe der Autobahn del Sole. Ein weiterer Grund ist seine besondere städtebauliche Anlage, die von einer herrlichen Landschaft umgeben ist, die fast einem mittelalterli­chen Ölgemälde gleicht. Cetona ist Ziel eines anspruchvollen Fremdenverkehrs. Demjenigen der von weit kommt, zeigt sich der Ort von allen Rich­tungen aus einem Kegel gleich, an dessen höchsten Punkt eine Baum­gruppe von Zypressen und Pinien wie eine Krone die Burg aus dem 13. Jahrhundert schmückt. Die einst bedrohliche Burg ist heute stummer Zeuge der vielen Ereignisse, an denen die Einwohner Ceto­nas nicht nur in einer Nebenrolle teilgenommen haben. Um die Burg kann der aufmerksame Besucher zwei erhöhte Stadt­mauern entdecken. Unterhalb davon befindet sich die wertvolle Kir­che "la Collegiata" aus dem 13. Jahrhundert, in der sich bemerkenswerte Gemälde befinden, unter anderem eins, das dem Maler Pinturicchio (1454-1513) zugesprochen wird. >>>>zugesprochen wird. Überraschend ist für den Besucher beim Betreten der Piazza, die Weite, die sich ihm bietet; sie ist ungewöhnlich für einen nur 3000 Einwohner zählenden Ort. Die Piazza ist sowohl Zentrum aller kom­merziellen Aktivitäten, als auch Treffpunkt; eine wahre "Agorà" dieser kleinen Stadt; andiesem Platz befindet sich sowohl die Kirche 5.   Michele Arcangelo u. SS. Annunziata, als auch der Palazzo Vitelli aus dem 16. Jahrhundert und der Palazzo Rivellino, als letztes Denk­mal der äußeren Stadtmauer.  Ein erster steiler Aufstieg führt den Besucher in das wahre historische Zentrum; gleich rechts ist der Justizpalast, heute die Dienststelle der Karabinieri; weiter oben links befindet sich der Palazzo Minutelli, heute das Rathaus; ein Stück weiter, ganz unverhofft, die entzückende Piazzetta della Collegiata, die wie eine Bühne für die Kirche Collegiata und den Mauer-und Felsabhang wirkt.   Dieser Abhang führt weiter unten auf einen Weg, auf dem man zur äußeren Stadt­mauer gelangt. Weitergehend kommt der Besucher hinter dem charakteristischen Torbogen des Brugi auf den "Costa dell'arciprete" (Steile Strasse des Priesters), der ihn in einem Rundgang erst flach, dann in steilem Abstieg zum "Capperoni", in Richtung Piazza Luca Contile della Piazza Parè, dann zur Kirche 5. Michele und wiederum zur Piazza Garibaldi führt   

                                                                                                                                                                                        Giorgio A. Doricchi  

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